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Archiv der Kategorie Ganztagsschule
Löhrmann erhöht per Erlass Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer an Ganztagsschulen
10.2.2011 von NRW-Schulblog.
Mit dem Runderlass vom 23.12.2010, Abs. 4.1. ordnet Ministerin Löhrmann an: “Schülerinnen und Schüler der Primarstufe und der Klassen 5 und 6 der Sekundarstufe I dürfen auch bei unvorhersehbarem Unterrichtsausfall grundsätzlich nur zu den im Stundenplan vorgesehenen Zeiten nach Hause entlassen werden.”
Dieser aus Sicht von Eltern begrüßenswerte Schritt, ermöglicht er ihnen doch eine 100prozentige Planungssicherheit, besonders wenn sie berufstätig sind, bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen nichts anderes als eine Arbeitszeiterhöhung per Erlass. In der Praxis müssen nämlich ab sofort alle Ganztagsschulen, die eh schon aufgrund fehlender Lehrer arg gebeutelt sind, eine permanente Vertretungsbereitschaft für den Nachmittagsunterricht einrichten. Das geschieht, indem Kolleginnen und Kollegen schlicht und einfach verpflichtet werden, sich an bestimmten Nachmittagen nichts vorzunehmen. Erkrankt dann jemand, müssen sie für diesen einspringen und ihn in der 8. und 9. Stunde vertreten. Bezahlt werden diese Überstunden selbstverständlich nicht, da hier die Regelungen greift, dass im Monat 3 unbezahlte zusätzliche Unterrichtsstunden nach Bedarf geleistet werden müssen. Entsprechende Computerprogramme in der Verwaltung sorgen zuverlässig dafür, dass keine Kollegin und kein Kollege diese 3 Zusatzstunden überschreitet. Geschieht es doch einmal, dann greift wiederum die Regelung der sogenannten “mehrarbeitsschädlichen Stunden”. Diese entstehen, wenn man unterrichten möchte, es aber nicht darf, weil in einer Klasse z.B. eine Lernstandserhebung in einem anderen Fach stattfindet. Über den parasitären Charakter dieser Stunden kann man mehr hier unten im Blog unter “Zum guten Schluss: Du sollst nicht stehlen!” nachlesen.
Neben dieser klaren Ausbeutung der Lehrerinnen und Lehrer fällt mal wieder die komplette Konzeptionslosigkeit der Maßnahme auf. Es ist ja völlig klar, dass erkrankte Kolleginnen und Kollegen in den seltesten Fällen eine fach-kundige Vertretungs bekommen werden, will heißen: für eine zu vertretende Doppelstunde Chemie wird sich selten ein Chemiker finden (es sei denn, man verdonnert das gesamte Kollegium zur Vertretungsbereitschaft). In diesem Fall - und so werden fast alle Fälle aussehen - werden die Kinder lediglich irgendwie beschäftigt, Hauptsache die Zeit geht rum.
Fazit: Die CDU/FDP-Regierung hat es seinerzeit geschafft, aus der guten Idee einer Ganztagsschule eine Schule mit einem miserablen Mittagessen und anschließendem Stresspauken zur Bewältigung des gewaltigen Abi-Stoffs zu machen. Die SPD/Grüne-Regierung entwickelt diesen Fehlansatz nun munter weiter zu einer bloßen Verwahranstalt von Kindern.
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Von der Qualitätskontrolle zur fetten Pommes
2.12.2010 von NRW-Schulblog.
Das dürfte noch in guter Erinnerung sein: Mit großen Tamtam startete die damalige Schulministerin Barbara Sommer im Jahr 2006 die Qualitätsanalyse an den Schulen. Schulinspektoren, bewaffnet mit Laptops, bzw. den darauf befindlichen Analyseprogrammen, fielen in die Schulen ein und verwahrten sich erst einmal unisono gegen das Wort “Kontrolle”. Nein, Kontrolle sollte die Schulinspektion nicht sein, vielmehr Hilfe zur Qualitätssteigerung durch Evaluation. Was folgte, waren stundenlange Konferenzen, in denen die Inspektoren der gesamten Schulgemeinde klarmachten, was sie eigentlich wollen und was nicht. Dann ging’s los: Schülerlotsen lotsten nach einem ausgeklügelten Plan die Inspektoren in die Klassen (immer mit Überraschungseffekt, weil man ja - ein Beweis echten Humors! - das “wahre” Schulleben kennenlernen wollte), wo sie 20 Minuten verweilten und alle möglichen Daten in ihre Laptops reinhackten. Nach zwei Wochen waren sie dann fort, um bald mit einer Marathonkonferenz wiederzukommen. Unterstützt von Power-Point-Präsentationen zeigten sie auf, welche Stärken und welche Schwächen die jeweilige Schule hat. Zielvereinbarungen wurden formuliert und unterschrieben, die Fachkonferenzen in zeitraubende Curriculumdiskussionen und -erarbeitungen getrieben, ja, es war in der beschaulichen NRW-Schullandschaft mal richtig was los, sozusagen Stressfaktor XXL.
Nun neigt sich bald das Jahr 2010 seinem Ende zu, und es stellt sich die Frage: Hat sich seit dieser Qualitätskontrolle irgendetwas an der Qualität unserer Schulen zum Besseren verändert?
Die soeben erschienene Studie von McKinsey “How the world’s most improved school systems keep getting better” greift das Thema “Qualitätverbesserung des Unterrichts” zum ersten Mal global auf. Weltweit wurden 575 Reformaßnahmen analysiert und dazu Interviews mit über 200 Lehrern und Wissenschaftlern geführt. Die erste Erkenntnis ist: strukturelle Änderungen (z.B. längeres gemeinsames Lernen), Verlängerungen oder Verkürzungen von Schuljahren bringen wenig. Viel mehr Erfolg hat dagegen die Maßnahme, bereits in der Lehrerausbildung die Qualität des Lehrens zu verbessern (strenge Auswahl der Bewerber, mehr Praxisbezug). Als besonders förderlich haben sich eine Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen (Dezentralisierung), ein gezieltes Coaching der Lehrer und gegenseitiges Feedback zum Unterricht sowie Karrierepfade mit entsprechend gestuftem Gehalt für die Spezialisierung von Lehrkräften herausgestellt.
Ist von solchen Maßnahmen irgendetwas in NRW bekannt? Haben die Bezirksregierungen den Schulen mehr Eigenverantwortung bei der Planung und Durchführung ihres Unterrichts zugebilligt? Ist die Unterrichtsbelastung der Lehrer irgendwo reduziert worden, damit man sich endlich mal Zeit nehmen kann, einen Kollegen im Unterricht zu besuchen und ihm eine Rückmeldung zu geben? Nachdem man erst einmal an der Schule eine Atmosphäre geschaffen hat, in der solche Besuche als Hilfe und nicht als von oben verordnete “Unterrichtsspionage” zum Zwecke der dienstlichen Beurteilung empfunden werden? Hat jemand irgendetwas davon gehört, dass Bemühungen um Verbesserung der Unterrichtsqualität mit Karriere belohnt werden?
Dem Autor dieses Beitrags ist nichts dergleichen bekannt.
Stattdessen hat man dem System Schule den Ganztag verordnet und dazu die schöne Homepage www.ganztag.nrw.de gebastelt. Hier gibt es allerlei Buntes an Gedanken und dazu noch Gaga-Lyrik für den Freund der hohen Sprachkunst. Zum Beispiel wenn die Rede davon ist, “die Zeitstunden des gebundenen Ganztags, die nicht durch Unterricht gebunden sind, für ein integriertes Konzept von Lernzeiten zu nutzen, das Hausaufgaben weitestgehend überflüssig macht und damit den Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit mehr Flexibilität einräumt.” Oder wenn man liest: “Jede gebundene Ganztagsschule bietet (…) eine Mischung aus dem überschaubaren verpflichtenden Teil (integrierte Lernzeiten) und aus weiteren freiwilligen Angeboten (von der Theatergruppe bis zur Schülerfirma)”.
Soweit die Welt der im Traum Verirrten.
Die Wirklichkeit, mit der sich Lernende und Lehrende tagtäglich auseinandersetzen zu haben, sieht dagegen so aus: Am Nachmittag findet ganz gewöhnlicher Unterricht statt. Das heißt: All die Stunden, die man wegen der verkürzten Schulzeit nicht mehr vormittags unterbringen konnte, sind in den Nachmittag verlagert worden. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das: Nach der 6. Stunde erst einmal irgendwo was zu essen bekommen. Dazu meidet man aber die Mensa, da da Essen dort meist aus irgendeiner zerkochten Pampe besteht (s. Bericht zur Qualität des Mensaessens weiter unten!). Die Pommesbude oder der Pizzabäcker sind gefälliger; zwar ist das Essen wegen des Fettgehalts gesundheitsschädlicher als das aus der Mensa, aber es schmeckt wenigstens und man kann auch nach außen dokumentieren, dass man es sich leisten kann, teurer als in der Mensa zu essen.
Durch die dann anstehenden zwei Unterrichtsstunden mogelt man sich mit vollgeschlagenem Bauch irgendwie durch. Das geht auch nicht anders, denn der Kopf ist von 8 Uhr morgens permanent mit Wissen vollgestopft worden, jetzt, am Nachmittag, sagt das Schülergehirn einfach: “Nichts geht mehr. Weder rein noch raus”. Wenn es endlich auf 16 Uhr zugeht, ist bei allen Beteiligten lediglich ein einziger Effekt zu vermelden: Erleichterung, dass es vorbei ist. Von einer wie auch immer gearteten Qualität des Lehrens und Lernens ist man dabei so unendlich weit entfernt, wie die Mozartkugel von der Mozartmusik.
Und unsere neue Schulministerin Sylvia Löhrmann? Die, hört man, bastelt sporadisch an der Gemeinschaftsschule, also wenn es sich gerade mal ergibt und auch nicht zu viel, weil ihr dafür die Mehrheiten im Landtag fehlen. Auf die groß angekündigte Rückkehr zum G9-System hat sie jetzt, wo alle Schulen Nein gesagt haben, auch keinen Bock mehr. Ansonsten freut sie sich darüber, wie weit sie es im Leben gebracht hat, nämlich überraschenderweise bis zu einer Schulministerin. Und zu einem eigenen Chauffeur, der sie in einem Regierungswagen rumfährt. Der unter ökologischen Aspekten eine Dreckschleuder sondergleichen ist. Aber das wäre jetzt ein Thema für einen Öko-Blog. Also lassen wir es hier sein …
Geschrieben in Ganztagsschule, G8 Schulzeitverkürzung | Drucken | 1 Kommentar »
Qualität der Mittagessen an Ganztagsschulen
27.1.2010 von NRW-Schulblog.
Die verbraucherkritische Sendung “Markt” des WDR-Fernsehens hat in der Sendung vom 25.01.10 das Mittagessen an den von der CDU mit aller Macht angestoßenen Ganztagsschulen unter die Lupe genommen. Wie in diesem Blog aufgrund von Beobachtungen bereits festgestellt wurde, sind die fragwürdigen Gewinner der CDU-Schulaktion die Pizza- und Pommesbuden in Nähe der Schulen (bezogen auf ihre Umsätze!). Die von den Schulen organisierten Essen dagegen haben das Qualitätsurteil “ungenügend” bekommen. Die Ernährungswissenschaftlerin Professor Christel Rademacher von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach, die sich seit Jahren mit der Frage beschäftigt, wie Schulen die Qualität der Schulessen garantieren können, stellte fest, dass die untersuchten Schulessen auf dem Niveau von Gasthausmahlzeiten rangieren, es fehlt vor allem an Gemüse und an Frische. Die Note Ungenügend gab es gleichfalls für die Preisgestaltung und noch einmal dafür, wie die Essen von der öffentlichen Hand ausgeschrieben werden (nämlich gar nicht!). Unsere Schulministerin, Barbara Sommer, scheint der Winterstarre verfallen zu sein: Die Bitte der Sendung “Markt”, die Ergebnisse zu kommentieren, begegnete das Schulministerium mit dem Kommentar: “Kein Kommentar!”
Den vollständigen Bericht (ca. 8 Minuten) kann man sich hier anschauen!
Und demnächst auf diesem Blog: “Alle kommen mit!” - was wirklich hinter der Aktion gegen das Sitzenbleiben steckt.
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