Eine Bezirksregierung ist nicht dazu da, Spaß zu verstehen

Schulleiter und Stellvertreter der Gemeinschaftshauptschule Kirschhecke (Mönchengladbach-Odenkirchen) haben Anfang Dezember 2009 in der Rheinischen Post eine Anzeige geschaltet, in der sie eine ”Schulminister(in) zur Unterstützung unseres motivierten, einsatzfreudigen, aber auch extrem geforderten Teams” suchten. Diese(r) Schulminister(in) sollte die Fähigkeiten mitbringen, “Schwachstellen im Bildungssystem zu erkennen”, ferner sollte er (sie) “motivierende Führungseigenschaften” haben und fähig sein “junge Mitarbeiterinnen zu gewinnen und sie auch mittels Leistungsanreizen zu coachen”.
Die Anzeige - auch für einen durchschnittlich begabten Zeitungsleser locker als Satire zu erkennen - entstand aus der Personalnot der Schule, der 2,5 Stellen fehlten, Ende des Schuljahres voraussichtlich sogar vier. Zustande gekommen war diese Unterbesetzung aufgrund eines Fehlers, der bei der Bezirksregierung Düsseldorf gemacht wurde. Laut einem WDR-Bericht vom 18.01.2010 hatte Barbara Sommer versprochen, sich für die Schule einzusetzen. Getan hat sie es aber nicht.
Sofort gekümmert hat sich jedoch die Bezirksregierung Düsseldorf, die den beiden Kollegen vorwarf, sie hätten die “Pflicht zur Mäßigung und Zurückhaltung politischer Betätigung” missachtet. Gestern wurde bekannt, dass die Stellungnahme der Kollegen zu diesem Vorwurf von der Bezirksregierung nicht akzeptiert worden ist. Stattdessen brummte man ihnen für ein halbes Jahr eine zehnprozentige Kürzung der Bezüge auf. Logisch, dass die Kollegen, die inzwischen für das Inserat Berühmtheit erlangten und sogar einen Karnevalsorden bekommen haben, dagegen juristisch vorgehen wollen.
Eventuelle Nachahmer müssen hier scharf gewarnt werden. Denn erstens ist eine Bezirksregierung eine Regierung und dank der ihr zustehenden Macht komplett spaßfrei. Die Kollegen können froh sein, dass sie nicht wie der Dichter Schubart für seine vorsichtig ironische Kritik an Herzog Carl Eugen von Württemberg 1777 für zehn Jahre im Kerker landeten. Zweitens aber könnte es passieren, dass Barbara Sommer sich demnächst tatsächlich auf eine so ausgeschriebene Stelle bewirbt. Da sie den Sprung von einer Schulamtsdirektorin zur Schulministerin locker geschafft hat, ist ihr ein Sprung zur Gemeinschaftshauptschule Kirschhecke auf jeden Fall zuzutrauen.

3 Antworten auf “Eine Bezirksregierung ist nicht dazu da, Spaß zu verstehen”

  1. Reinhard sagt:

    Solidarische Grüße an die mutigen Kollegen im Rheinland! Ihr Wunsch wird ja jetzt auf ganz anderem Wege erfüllt: Was immer bei dem Koalitionsgezerre herauskommt - eine neue Schulministerin (oder ein Minister) wird auf jeden Fall dabei sein. Früher hieß es: “Ob es besser wird, wenn’s anders wird, weiß man nicht. Aber es muss anders werden, damit es besser werden kann.” Im Moment zweifele ich noch an der Weisheit dieses Spruchs: Wenn auch die (oder der) Neue alles umkrempelt, geht das Theater mit dem Umstricken der Lehrpläne und Methodencurricula von vorne los - und natürlich wieder auf Kosten der Lehrerschaft. Aber eins ist gewiss: Die Minister/innen kommen und gehen - doch ohne uns sind sie samt und sonders aufgeschmissen. Deshalb sollten wir beim nächsten Mal alle auf die Straße gehen - damit “die da oben” in Düsseldorf mal sehen, wie viele wir sind.

  2. Super Idee!! sagt:

    Hahaha, diese Aktion finde ich wirklich klasse.. das sollte noch viel mehr in die Medien gehen.. da sieht man mal das die Lehrer und Schulverantwortlichen eben NICHT nur jammern, sondern aktiv und berechtigt fordern! Tolle Aktion! Ich hoffe es wurde den Schülern auch als Lehrbeispiel nähergebracht :)

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